Viewpoints – Arbeiten mit Stühlen

Bei den „Viewpoints“ handelt es sich um Installationen aus handelsüblichen Klappstühlen. Als simple ready-mades, gefertigt aus Aluminium und Kunststoff, sind sie leicht und mobil. Die Lehnen sind vorder- und rückseitig mit der Aufschrift „Viewpoint“ versehen.

Ihre Ordnung im Raum ist variabel. So ermöglichen sie strenge Formationen bis hin zu Zufallskonstellationen. Als Sitzmöbel signalisieren sie eine Ruheposition; als richtungsbetonende Elemente bieten sie ein je unterschiedliches Blickfeld an. Die Anzahl der Stühle steht im Bezug zur Raumgröße.

Foto: Tom Schwede

Der Begriff „Viewpoint“ ist als Anspielung auf konkrete Erfahrung gemeint: er greift Wahrnehmungsvorgänge auf, die insbesondere in der Reiseindustrie angeboten werden. Die Reisenden geraten, sofern sie diese Angebote in Anspruch nehmen, in ein Regelwerk, das von Effizienz und Zeitökonomie bestimmt ist. Dies hat aber einen maßgeblichen Einfluss auf das Wahrnehmungsverhalten, weil die Veranstalter eine Vorauswahl von „Sensationen“ treffen, die als „highlights“ einer Reise angeboten werden.

Diese Höhepunkte landschaftlicher, architektonischer usw. Art werden nicht selten durch Beschilderungen wie „Viewpoint“ oder „Kodakpoint“ gekennzeichnet. In der Regel begnügt sich der Reisende in der visuellen Erfahrung mit dem Blick durch ein Kameraobjektiv. Der Sehprozess wird so verkürzt auf eine ausschnitthafte, durch die Linse vermittelte Wirklichkeit. Die Wirklichkeit als Ausschnittserfahrung bleibt in der Regel unreflektiert, die Wirklichkeit als Ganzheitserfahrung bleibt diffus.

Die Installation „Viewpoints“ greift dieses Rezeptionsverhalten auf; vermeidet aber die Fokussierung des Betrachters auf vorbestimmte Sensationen. Ob im Innen- oder Außenraum: der Betrachter reflektiert seine individuellen Wahrnehmungsansprüche selbst und richtet sich in Bezug auf Sitz- und Blickrichtung so ein, dass er durch eine freie Entscheidung seinem visuellen Anspruch gerecht wird.