Weiche Pfeiler

Fassbender greift gestalterisch mittels Würfeln und deren Multiplikationen in den jewiligen Raum ein (Würfelmodule mit den Kantenlängen 40 x 40 cm). Die Entscheidung für dieses Würfelmaß resultiert aus den materiellen Vorgaben: Der Würfelkern ist mit Filzplatten des handelsüblichen Standartmaßes 40 x 40 cm ummantelt.

Peter Fassbender "Vier Pfeiler", 2006 im Städtischen Museum GelsenkirchenDas naturfarbige Beige des Materials zeigt eine stumpfe, weichporöse Oberfläche. Der Kern garantiert die Leichtigkeit und Stabilität der Würfel (Kern? Wie Was?).  Jeder Würfel repräsentiert als ideale stereometrische Form die Gesetzmäßigkeiten eines kubischen Raumes; ihre Vervielfachung im Sinne eines "Baukastensystems" erlaubt eine differenzierte Reaktion auf die jeweilige Konstruktion des Raumes.

Die Methode greift die traditionellen Arbeitsformen des "Nebeneinander" und "Übereinander" auf, der "Reihung" und "Schichtung" von identischen Formen. Bezogen auf die gezeigte "Weichen Pfeiler" wird das raumbezogene orthogonale System der Würfelstruktur zwar beibehalten, die gesamtformation der "Pfeiler" durchbricht jedoch durch das Kippen an die Wand dieses statische Konstrutionsprinzip.

Der "Pfeiler" überträgt seine Funktion als stützendes Element auf die Wand. Der Verlust der ihm zugewiesenen Funktion bewirkt einen Bedeutungswandel in Richtung auf eine Boden-Wand-Skulptur.

Die Wand als Raumbegrenzung vermittelt die Wirkung einer dem Pfeiler entgegengerichteten Kraft. Beide, Wand und "Pfeiler" bilden eine Wahrnehmungseinheit deren Spannung aus dem Widerspruch von Vertikalität und Diagonalität aus Weiß und Beige, aus der Glätte der Wand und der Blockstruktur der Pfeiler resultiert.