Malereien

Die Malerei Peter Faßbenders untersucht das Verhältnis von Rationalität und Irrationalität in Bildstrukturen. Die Ergebnisse spielen eine untergeordnete Rolle. Nicht das WAS ist entscheidend,sondern das WIE.

  1. Das eine reflektiert die den Bildern zugrunde liegenden Rahmenbedingungen, das andere hingegen die Methode der Bildentstehung.

    Die Basis der malerischen Untersuchungen stellt zugleich den kleinsten gemeinsamen Nenner der Malerei dar: die Pinselspur, der Duktus, der Pinselabdruck, der kurze Pinselzug. Verwendet wird ein flacher, in seiner Dimension dem Bildformat angepasster Pinsel. Seine Form beschreibt ein Rechteck, seine Ausrichtung ist horizontal. Die Ordnung der Pinselzüge entspricht einer seriellen Reihung, einer rapportartigen vertikalen Schichtung der horizontal gelagerten Formen.

    Die Schichtungen überziehen in nebeneinanderliegenden, pfeilerartigen Blöcken das gesamte Bildfeld. Die Spontaneität und Schnelligkeit des Malvorgangs verbietet eine zwischenzeitliche Aufnahme von Farbsubstanz durch den Pinsel. Diese Bedingungen bilden die Voraussetzung für eine bildwirksame Umsetzung; allerdings entzieht sie sich weitgehend einer rationalen Kontrolle.

  2. Die Entstehung der Bildstruktur verlangt eine Reflexion des Malprozesses und der spezifischen, nicht kalkulierbaren, zufälligen Mittel, die entscheidend für die je unterschiedliche Wirkung eines Bildganzen sind. So kann einer genauen Wahrnehmung nicht entgehen, dass Form und Geschwindigkeit des Malprozesses einen Zusammenhang darstellen: die Form des Pinselzuges weicht von der Form des Pinsels ab und zeigt hinsichtlich der Gestaltqualität eine breite Variation bedingt durch die Unsicherheit der Handbewegung (Belastung und Führung). Hinzu kommen Quantität und Qualität der Farbsubstanz sowie Einflüsse durch den Malgrund.

    Die Setzung der Pinselzüge ohne zwischenzeitliche Anreicherung der Farbe, bewirkt eine progressive Verringerung der Farbmenge: die Formen verlieren an Dichte und verändern sich zu Tonstufen im Sinne eines gleitenden Hell-Dunkel-Rhythmus. Schließlich ändert sich das Verhältnis von Figur (Form) und Bildgrund (Fläche) infolge des schnellen Malprozesses in der Weise, dass ein permanenter Wechsel der Formdistanzen zu beobachten ist. Die Struktur mit größeren und kleineren Formabständen, öffnet oder verschließt sich dem Blick in den Bildgrund. Die Struktur beginnt zu „atmen“.

    Bleiben die Rahmenbedingungen für die Bilderstellung grundsätzlich konstant, so variabel erweist sich der Prozess der Realisierung vor allem durch das Moment des Zufalls. In der distanzierten Bildbetrachtung erweist sich die Bildstruktur im Sinne einer Makrostruktur als rationalisierbar, aus der Nähe betrachtet, also mit Blick auf die Mikrostruktur, treten irrationale Aspekte in den Vordergrund.